Clemens Heinl
"Begegnung" in den Hotels des Europa-Park
Kurator: Thomas Menzel
Einführung: Antje Lechleiter
Vernissage: 27.11.2016 um 16.00 Uhr
Ausstellung : 27.11.2016 - 9.1.2017

v.l. Michael Mack, Mauritia Mack, " Klaus", Clemens Heinl, Thomas Menzel

Einführung: Dr. Antje Lechleiter©, Freiburg

Sehr geehrte Damen und Herren,

eine Skulptur hat Sie bereits in der Hotellobby begrüßt - vierzehn weitere Werke von Clemens Heinl finden sich in den verschiedensten Räumen der Europa Park Hotels "Colosseo", "Bell Rock", "El Andaluz" und "Santa Isabel".
In einer Zeit, in der der Mainstream in der Kunst von installativen, raumbezogenen oder performativen Positionen geprägt ist, zeigt der Bildhauer Clemens Heinl, dass es auch anderes geht. Er ist ein Künstler, der das Haptische, das Plastisch-Dingliche und Beständige liebt und sich dabei des klassischen Bildhauerwerkstoffs Holz bedient.

Heinl wurde in Schwabach bei Nürnberg geboren, wo er auch lebt und arbeitet. Er kommt damit aus einer kunstgeschichtlich bedeutenden Region, die auch zwei der wichtigsten spätgotischen Holzbildhauer hervorgebracht hat. Heinl kennt ihre Werke seit frühester Kindheit, denn Altäre und Bildwerke von Veit Stoß und Tillmann Riemenschneider sind in den Kirchen Unter- und Mittelfrankens allgegenwärtig. Es verwundert mich daher nicht, dass ihn gerade die künstlerische Arbeit mit Holz so fasziniert. Nicht unwichtig ist es zu erwähnen, dass Clemens Heinl zunächst eine Ausbildung zum Orthopädiemechaniker absolvierte. Heinl ist also ein Fachmann für den Haltungs- und Bewegungsapparat und ist mit der Architektur des menschlichen Körpers bestens vertraut - was man seinen Skulpturen auch ansieht. Von 1986 bis 1992 studierte er Bildhauerei an der Kunstakademie in Nürnberg.

Mit der Gestalt der Figur "Albrecht", die in der Bar des Hotels "El Andaluz" zu sehen ist, findet sich hier im Europapark - in dem es ja von Zitaten nur so wimmelt - ein Zitat aus der Kunstgeschichte. Dieses Werk bezieht sich auf den berühmten Nürnberger Renaissancekünstler Albrecht Dürer. Jener war ein Meister des Selbstporträts, der sich auf diese Weise immer wieder selbst befragte. Heinl zeigt den Künstler allerdings nicht als prächtig gekleideten, christusgleichen Malerfürsten, sondern präsentiert ihn im modernen Künstleroutfit , ganz in Schwarz.



Während seiner Studienzeit faszinierte Heinl die Idee, Materialien über einen formgebenden Holzkern zu spannen. Inzwischen - und das sehen Sie hier in der Ausstellung deutlich - beschäftigt er sich weniger mit der Hülle, als mit dem Wesenskern seiner Figuren. Betrachten wir die in der Ausstellung versammelte Gesellschaft von Menschen also einmal genauer: Wir sehen ausschließlich Stehende, Männer und Frauen, die mit ihren verschiedenen Gesichtern, Frisuren und Körpern, sowie über die Art ihrer Bekleidung über sehr individuelle Personenmerkmale verfügen. Heinl kennt diese Menschen, und sie standen ihm zunächst für Porträts Modell. Jene bildeten dann die Grundlage für die lebensgroßen Skulpturen, die sich nun mit größter Selbstverständlichkeit unter die Ausstellungsbesucher und Hotelgäste mischen. Das heißt aber nicht, dass diese Figuren eine Kopie der Wirklichkeit anstreben, mit der klassischen Einteilung in „Bild und Abbild“ hat Heinls Werk nichts zu tun. Im Gegenteil. Der Künstler hat das Äußere seiner Figuren auf einige wesentliche Merkmale reduziert. Ihr Inneres spiegelt sich hingegen auf ihren Gesichtern und in ihrer Haltung wider. So handeln seine Figuren aus einem inneren Antrieb heraus und haben unterschiedliche Ansprüche an ihr "Leben". Sie sind schüchtern oder selbstbewusst, verschwiegen oder mitteilsam. Damit funktionieren seine Arbeiten auch ganz anderes als die Werke eines anderen Künstlers, auf den Heinl immer wieder angesprochen wird: Stephan Balkenhol. Der etwa gleich alte Balkenhol abstrahiert bei seinen Figuren von Individualität und Eigenheit - Heinl will die innere Befindlichkeit seiner Dargestellten wiedergeben.

Noch etwas anderes möchte ich erwähnen: Heinl begegnet dem, was wir als menschliche Schönheit bezeichnen, mit der ihm eigenen, unverwechselbaren Form- und Materialsprache. Das Figurative steht bei ihm nicht für das Ideale, wie es etwa von den Bildhauern der griechischen Klassik, der Renaissance oder des Klassizismus angestrebt wurde. An einem perfekt gestalteten Körper gepaart mit innerer Ruhe und Gelassenheit ist er nicht interessiert. Wir sehen hier gealterte, untersetzte, ja übergewichtige Männer, Frauen mit unvorteilhafter Frisur, dazu kommen die beim lebendigen Material Holz unvermeidlichen Risse, Ecken und Kanten. Es ist eine Gradwanderung, die Heinl hier betreibt zwischen den groben, kantigen Formen und einer kraftvollen, den Betrachter einnehmenden, elementaren Echtheit. Wir spüren die Präsenz unseres Gegenübers und damit spüren wir auch uns selbst.

Herr Menzel hat die einzelnen Standorte der Skulpturen sehr sensibel und mit Bedacht gewählt. Jede Arbeit hat genau den Ort gefunden, an dem sie wirkt und der auf sie wirken kann. Im Poolbereich von Bell Rock treffen wir auf den nur mit einem Handtuch bekleideten "Rex Spa" und wo sollte es den, noch etwas schmalbrüstigen "Jan" hinziehen, wenn nicht in den dortigen Fitness Bereich? Die kleine wohlgeformte Frau mit dem blauen Kleid steht vor dem Text über die Schönheit, der im Wellnessbereich des Hotels Santa Isabel an der Wand zu lesen ist. Wo sonst? Klar war auch, dass "Karl" mit seiner Zigarette in die Raucherlounge würde verbannt werden müssen. Und jetzt, da diese wunderbare Bar mit Menschen gefüllt ist, müssen wir schon zweimal hinsehen, um "Klaus" zu entdecken. Mit seinem Schnauzer und rotem Hemd hat er sich unter die Anwesenden gemischt und hört meinen Worten über seinen Schöpfer Clemens Heinl zu.

Nicht nur für das sympathische Paar "Konrad und Sabrina" hier im Restaurant "Medici", sondern für all seine Figuren gilt, dass sie aus Heinls Faszination für Beziehungen zwischen Menschen hervorgegangen sind. So ergab sich auch der Titel dieser Ausstellung, "Begegnung", fast wie von selbst.

Noch nicht erwähnt wurde die Art der Holzbearbeitung. Der Künstler arbeitet mit der Axt und der Kettensäge, feinere Arbeiten erfolgen mit Schnitzeisen und Holzhammer. Seine Skulpturen sind überwiegend aus Pappel-, seltener aus Birken- oder Eichenholz gefertigt. Das Pappelholz bevorzugt er, da es sehr schnell wächst und daher leicht ist. So wiegen diese Holzplastiken nur zwischen 46 und 70 kg. Heinl schält den Rohling zunächst vor Ort aus einem rund 300 kg schweren, in der Länge geteilten Stamm heraus und entfernt den Holzkern. Die weitere Bearbeitung erfolgte dann im Atelier, hier wird das Werk auch farbig gefasst. Expressive Farben und vor allem der häufig vorkommende Komplementärkontrast von Grün und Rot steigern den jeweiligen, in der Form bereits angelegten Ausdruck. Da Heinl Falten gestalten will, die tiefer sind als sie Alter und Leben je werfen könnten, sind die Schwundrisse - auch in ihrer Unkontrollierbarkeit - Teil seines Konzeptes. Vielleicht ist Ihnen schon bei der Skulptur in der Lobby aufgefallen, dass Heinl mitunter auch Kopf und Hände aus Bronze mit dem Holzkörper kombiniert. Die eingelegten Augen aus Glas geben dem Gesicht dann eine unheimlich lebendige, fast magische Wirkung, welche die Präsenz der Dargestellten noch steigert.

Sehr geehrte Damen und Herren, nehmen Sie sich nun für das Betrachten der Werke von Clemens Heinl Zeit, und besuchen Sie die einzelnen Standorte im Hotel Resort. Sie werden sehen, jede Figur hat eine eigene Persönlichkeit, manche sind schnell zugänglich und mitteilsam, andere bleiben dagegen ganz bei sich und sind voll und ganz mit ihrem Leben im Hotel beschäftigt.